Nachdenklich aussehende Frau
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Unsicherheit aushalten und das Universum machen lassen

Wir leben in außerordentlichen Zeiten. Ich hätte mir noch vor sechs Monaten nicht vorstellen können, wie mein Leben heute aussieht. Klar, die Situation hat sich augenscheinlich verbessert. Kindergärten und Schulen starten ins neue Schuljahr. Viele Unternehmen kehren langsam in die Büros zurück. Aber normal ist trotzdem noch lange nichts. Das Gefühl bleibt: Es kann jederzeit wieder losgehen. Dann die Kinder zu Hause und der Stress geht von vorne los.

Der Marathon nach dem Iron Man

Für mich und meine Familie ist die Situation zu einer echten Belastung geworden. Denn ich habe das Gefühl, niemandem mehr gerecht werden zu können. Meiner Arbeit, meinen Kollegen*innen, meinen Kindern, meinem Partner und mir selbst schon erst recht nicht. Das schlägt mir ernsthaft auf’s Gemüt. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, nach einem Iron Man direkt in den nächsten Marathon geschickt zu werden.

Wäre ich jetzt einigermaßen ausgeruht und erholt würde ich dem Winter vermutlich etwas gelassener entgegensehen. So hingegen fühlte ich mich schon vor dem Start total ausgelutscht, sodass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, diese Etappe auch noch zu schaffen. Klar, irgendwie geht es in der Regel immer. Aber zu welchem Preis? Meiner Gesundheit? Der psychischen Gesundheit meiner Kinder? Meiner Beziehung? Bleibt nur noch der Job, bei dem Abstriche gemacht werden können. Aber will ich das wirklich? Und was bedeutet das für meine Karriere?

Die Gleichberechtigung opfern?

Wer mich kennt weiß, dass ich immer an vorderster Front dabei bin, wenn es um das Thema Gleichberechtigung geht. Mein Mann und ich habe die Erziehungsarbeit fair verteilt – ich war bei beiden Kindern ein paar Monate zu Hause und habe dann den Staffelstab an ihn weitergegeben. Nach den Elternzeiten haben wir beide Teilzeit gearbeitet und uns Erwerbs- und Erziehungsarbeit aufgeteilt. Klingt super?

War es auch. Bis Corona kam. Was das mit unserem Lebensmodell gemacht hat, habe ich an dieser Stelle schonmal beschrieben. Kurz zusammengefasst: Brutal anstrengend für alle Beteiligten. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich nach einer klassischen Rollenverteilung sehne. Im Frühjahr war es so weit. Gleichzeitig wünsche ich mir schon länger eine berufliche Veränderung. Habe aber einfach keine Zeit und Kraft mir darüber Gedanken zu machen, wie es weiter gehen soll.

Das Tempo rausnehmen

Ich habe mich deshalb dazu entschieden, über den Winter nochmal ein halbes Jahr Elternzeit zu nehmen. Um das Tempo und den Stress rauszunehmen und zu überlegen, wie es weiter gehen soll. Wohlwissend, dass mir niemand meine Position bis dahin warmhalten wird. Aber das auch ok so. Ehrlich gesagt lebe ich das erste Mal in meinem Leben nur noch im Jetzt. Was später kommt, kommt später. Und das Universum wird schon was für mich in petto haben. Hoffe ich zumindest.

Unsicherheit aushalten

Denn gleichzeitig hatte ich noch nie so viel Zweifel bei einer Entscheidung. Ich bin jemand, der Entscheidungen spontan aus dem Bauch heraus trifft. Und ich kann mich in der Regel auch darauf verlassen, dass das passt. Warum dann diese Unsicherheit? Vermutlich, weil ich gegen meine eigenen Überzeugungen verstoße. Nämlich, dass beide sich gleichberechtigt um Arbeit und Familie kümmern sollten. Und ich nicht weiß, was danach sein wird. Ich habe nämlich gerne einen Plan. Oder mehrere. Da ist gar keiner ein bisschen wenig.

Aber vielleicht ist das alles ja auch eine einmalige Chance. Keinen Plan zu haben und das Universum seine Arbeit machen zu lassen.

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