New Work Praxis

Schlechte Laune im Homeoffice

Ich muss sagen, dass ich heute so einen richtigen Durchhänger habe. Die Aussicht auf Kitaschließungen bis nach den Sommerferien und weitere Wochen der Ausgangsbeschränkungen ziehen mich so richtig runter. In den letzten Wochen habe ich es geschafft, mich auf das Positive in der Situation zu fokussieren und was daraus zu machen. Doch warum gelingt es mir heute nicht und was hat das Ganze mit New Work zu tun?

Die Arbeit im Homeoffice verlangt von uns allen sehr viel mehr Selbstorganisation und Selbstfürsorge, als wir es gewohnt sind. Normalerweise gibt uns unser Tagesablauf Struktur. Kollegen begrüßen uns morgens an der Kaffeemaschine und fragen, wie es uns geht. Der Chef begegnet uns auf dem Flur und gibt positives Feedback zur letzten Kundenpräsentation. Dann noch einen netten Kollegen zum Mittagessen getroffen und der Tag ist geritzt.

Gewohnte Strukturen fehlen

Vieles davon findet momentan nicht oder nur eingeschränkt statt. Der soziale Aspekt von Arbeit ist oft wenig strukturiert, sondern findet im Rahmen von Zufallsbegegnungen statt. Der morgendliche Austausch an der Kaffeemaschine ist nicht geplant und trotzdem enorm wichtig. Dem Chef fallen die positiven Worte ein, weil er uns gerade auf dem Flur begegnet ist. Und das Mittagessen findet zumindest in meinen Fall gerade immer mit zwei Kleinkindern statt. Um unter diesen Umständen einigermaßen gute Laune zu bewahren, ist einiges an Selbstfürsorge erforderlich. Und das ist auch die Verbindung zum Thema New Work. New Work postuliert Selbstverantwortung als einen zentralen Wert. Was das genau bedeutet, erkläre ich übrigens in diesem Beitrag.

Selbstverantwortung fordert Selbstfürsorge

Mit Selbstverantwortung geht auch eine vermehrte Selbstfürsorge einher. Wenn ich für mich selbst verantwortlich bin, gilt das auch für meine Laune – nicht der launische Chef, der nervige Kollege oder der unfreundliche Taxifahrer. Und das kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Klar, es spricht nichts dagegen, sich auch weiterhin positive Impulse von außen zu holen. Das tut uns allen gut. Aber verantwortlich bin am Ende eben immer ich selbst.

Gleichzeitig ist Selbstfürsorge die Basis dafür, mich auch um andere kümmern zu können. Also erstmal selber die Sauerstoffmaske aufsetzten, bevor man anderen hilft. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Das ist alles leichter gesagt als getan. Deshalb möchte ich meine Top Five mit euch teilen. Was hilft konkret gegen akute schlechte Laune? Und wie kann ich in dieser Situation für mich sorgen?

Meine Top 5

  1. Strukturen schaffen: Einen Tages- und Wochenplan machen und jeden Tag neu planen. Sich dann abends ganz doll drüber freuen, wenn man das Konzept geschrieben, die Wohnung gesaugt und die Kinder gebadet hat
  2. Sich selbst belohnen: Immer wieder kleine Belohnungen und Auszeiten einplanen. Und wenn es nur das Stück Schokolade oder der Weg zum Briefkasten ist (alleine!). Die Gefahr von übermäßigem Schokoladenkonsum dick zu werden ist nicht gegeben, wenn du Tipp 3 beherzigst.
  3. Sich ausreichend bewegen: Ich kann bei mir eine sehr deutliche Korrelation zwischen Bewegungsmangel und schlechter Laune herstellen. Also im Zweifel die Turnschuhe an und eine Runde raus. Egal bei welchem Wetter.
  4. Sich mit anderen austauschen: Das schöne ist ja, wir sind alle mit der Situation nicht allein. Also die beste Freundin, die Eltern oder andere Leidensgenossen anrufen und mal kurz jammern. Und dann mit Punkt 2 oder 3 weitermachen.
  5. Für die Gemeinschaft aktiv werden: Du wolltest schon immer deine Nachbarn besser kennenlernen oder die alte Frau um die Ecke unterstützen? Dann ist jetzt die beste Zeit dazu. Nimm (mit sicherem Abstand) Kontakt auf und mache dich nützlich. Organisiere einen virtuellen Spieleabend oder erledige Einkäufe. Anderen zu helfen, hilft dir selbst.

Wir alle können aus dieser Situation für die Zukunft (der Arbeit) lernen. Denn ich bin überzeugt, dass wir zukünftig selbstverantwortlicher arbeiten werden, um den anstehenden Herausforderungen zu begegnen. Und wer es jetzt schafft sich gut um sich selbst zu kümmern, bekommt das im Normalbetrieb locker hin.

2 Comments

  • Sabrina Zugenbühler

    Hallo Jojo, toll geschrieben und genau auf den Punkt 🙂 Was machst Du, wenn Mann oder Kinder bei der Planung nicht mitmachen.

    Ich werde mich mal durch die anderen Artikel von Dir lesen – macht echt Spass und habe mich auch bei Deinem Newsletter angemeldet. Freu mich mal wieder von Dir zu lesen! Muss bei dem Thema Organisation und Kommunikation an unsere Stunden bei Prof. Picot denken 🙂

    Liebe Grüße
    Sabrina

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