New Work und die Coronakrise

Coworking für alle

Wie wird wohl unser Arbeitsalltag nach Corona aussehen? Werden wir alle wieder jeden Tag ins Büro gehen? Ich glaube nicht. Viele Menschen werden entdecken, dass einige Tage Homeoffice die Woche gut für die Arbeit und für’s Privatleben sind. Es ist einfach angenehm, sich nicht jeden Tag durch den Berufsverkehr quälen zu müssen. Gleichzeitig finden wir im Homeoffice vielleicht eher die Ruhe, um Arbeiten konzentriert zu erledigen und in den Flow zu kommen. Auf der anderen Seite fällt es manchen von uns schwer, sich zu Hause nicht ablenken zu lassen. Andere wiederum vermissen den Kontakt. Was kann die Lösung sein? Doch wieder jeden Tag durch die ganze Stadt ins Büro fahren?

Coworking neu gedacht

Coworkingspaces bieten Menschen die Möglichkeit, Austausch mit andern zu finden und Räumlichkeiten für ihre Arbeit anzumieten. In den meisten Fällen werden unterschiedlichen Mitgliedschaften angeboten, mit denen ich dann den Coworkingspace an einer bestimmten Anzahl von Tagen im Monat nutzen kann. Also ein bisschen wie im Fitnessstudio. Momentan wird diese Möglichkeit vor allem von Freiberuflern und Selbständigen genutzt, die keine Büroräume außerhalb der eigenen vier Wände zur Verfügung haben. Als Angestellter ist das natürlich nicht der Fall – hier stellt mir das Unternehmen einen Arbeitsplatz zur Verfügung.  Aber was, wenn dieser Arbeitsplatz viele Kilometer entfernt liegt? Und sich der nächste Coworkingspace um die Ecke befindet? Warum sollten nicht auch Angestellte einen Teil der persönlichen Homeofficezeit im lokalen Coworkingspace verbringen?

Aber wie könnten geeignete Anreize dazu aussehen? Am einfachsten geht das über eine Kostenübernahme – so wie es für Sportangebote oder Jobtickets schon lange Usus ist. Für Unternehmen ergeben sich aus diesem Modell nämlich gleich mehrere Vorteile. Mitarbeiter*innen kommen mit Menschen aus anderen Branchen und Berufen in Austausch. Dadurch entstehen neue Einblicke und Erfahrungen. Und die kommen dann wieder dem Unternehmen zu Gute. Und schlussendlich können Unternehmen auch Büroflachen und Parkraum einsparen. In Ballungsräumen ein wertvolles Gut. Vom Stressfaktor, den Pendeln für die meisten Menschen mit sich bringt, möchte ich jetzt gar nicht sprechen.

Nicht nur gut für’s Unternehmen

Uns auch aus gesellschaftlicher Sicht wäre es wünschenswert, dass Arbeit wieder lokaler stattfindet. Weniger Verkehr ist besser für die Umwelt und schont Ressourcen.  Das haben wir in den letzten Wochen eindrucksvoll erleben dürfen. Gleichzeitig entstehen neue Verbindungen zu Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft – ich bin überzeigt davon, dass lokale Netzwerke in Zukunft noch wichtiger werden. Nachbarschaftshilfen bieten beispielsweise Unterstützung für Menschen an, die sich nicht selbst versorgen können. Gleichzeitig steigt die Identifikation mit dem eigenen Viertel und damit entsteht ein Gefühl der Verbundenheit – etwas, das für uns Menschen von zentraler Bedeutung ist. Das Dörfliche im Städischen quasi.

Die Coronakrise bietet die Chance, alte Gewohnheiten über Bord zu werfen und neue Muster zu schaffen. Muster, die in die Zeit passen, in der wir heute leben. Denn unsere Welt verändert sich unaufhaltsam. Auch die Arbeitswelt muss mit dieser Entwicklung Schritt halten – lasst uns deshalb jetzt gemeinsam die nächsten Schritte tun.

One Comment

  • Sabine

    Bei mir haben in den letzten Jahren auch immer wieder enge Kollegen um die Ecke gewohnt. Ich finde es schöner, sie in einem Co-Working Space oder einem Café 5 Minuten um die Ecke zu treffen als zwei Stunden ins Büro zu fahren für dasselbe Meeting. Wir arbeiten in meiner Firma eh mit geographisch verteilten Arbeitsplätzen, es hat sich bei uns im Team bewährt einmal die Woche zu notieren wer plant wann wo zu sein.

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