New Work Privat

Alles auf Anfang – Berufliche Neuorientierung in der Lebensmitte

Ich bin dieses Jahr 40 geworden. Ob mein Wunsch nach beruflicher Neuorientierung etwas damit zu tun hat oder andere Gründe hat, vermag ich nicht zu sagen. Fest steht, dass mit dem Beginn dieses neuen Lebensabschnitts bei mir eine Rückschau stattgefunden hat. Was habe ich bisher erreicht? Wo stehe ich heute?
Fakt ist, dass ich einen sicheren Arbeitsplatz habe und einen Arbeitgeber, der Verständnis für meine Situation aufbringt. Und das Geld stimmt auch.

Blick in die Zukunft

Trotzdem denke ich darüber nach, was in den hoffentlich nächsten 40 Jahren noch kommen soll. Die Coronakrise hat diesen Effekt verstärkt und noch mehr dazu geführt, dass ich meinen aktuellen Lebensentwurf überdenke. Unser Familienmodell hat sich in der Krise als nicht besonders robust erwiesen. Zwei angestellt arbeitende Erwachsene und zwei kleine Kinder – das funktioniert ohne Fremdbetreuung nicht. Zumindest nicht über einen längeren Zeitraum. Gleichzeitig kann ich meine Stärken in meinem Job momentan nur teilweise ausspielen und es gibt gesellschaftliche Themen, für die ich mich gerne engagieren würde. Aber für die ich momentan einfach keine Zeit habe.

Das alles hat dazu geführt, dass ich mir überlege was und wie ich in Zukunft arbeiten möchte. Was gut zu unserem Familienleben und gut zu mir passt. Und für mich Sinn macht. Ich erwarte nicht, dass ich jeden Tag nur von Sinn erfüllte Aufgaben vor mir habe. Aber zumindest zu einem Teil wäre es schon ein schönes Gefühl etwas zu tun, mit dem ich der Gesellschaft etwas zurückgeben kann. Oder ist das zu viel verlangt?

Arbeit neu denken

New Work bedeutet für mich, dass wir nicht mehr nur in geraden Lebensentwürfen denken. Und Arbeit nicht nur Erwerbsarbeit bedeutet. Es muss auch einen Teil von Arbeit geben, den wir uns oder der Gesellschaft widmen. Um nicht im Egoismus zu versinken – so fühlt sich das für mich zumindest manchmal an. Jeder schaut nur auf sich und sein persönliches Fortkommen. Und das wird ja auch finanziell belohnt.

Gleichzeitig sollten Brüche und Neuorientierung eine Selbstverständlichkeit sein. Klar, niemand muss dazu gezwungen werden sich immer wieder neu zu erfinden. Aber die, die es möchten, sollten die Möglichkeit dazu haben. Denn auch als Gesellschaft können wir davon profitieren. Menschen die sich und ihre beruflichen Fähigkeiten weiter entwickeln, helfen uns dabei uns auch als Gesellschaft zu verändern.

Gefangen im Hamsterrad

Doch wie das Ganze realisieren? Und da stellt sich vor allem die Frage nach der Finanzierung. Denn ein Neuanfang bedeutet oft erstmal finanzielle Einbußen oder sogar zusätzliche Ausgaben. Abgesichert ist, wer auf ein finanzielles Polster zurückgreifen kann. Wer das nicht kann, hat ein Problem. Gerade in der Lebensmitte ist oft eine Familie zu ernähren oder ein Kredit abzubezahlen. Die finanzielle Freiheit früherer Jahre ist passe.

Berufliche Neuorientierung und gesellschaftliches Engagement sollten kein Luxus sein, den sich nur einige wenige leisten können. Denn davon kann die ganze Gesellschaft profitieren. Ich denke zum Beispiel darüber nach, mich in einem Schulentwicklungsprojekt zu engagieren. Schule bildet die Menschen der Zukunft und ich bin der Überzeugung, dass uns das noch besser gelingen könnte. Und der Gedanke dazu etwas beizutragen, fühlt sich gut an.

Reicht mehr Mut?

Was mich also daran hindert? Vor allem die finanzielle Unsicherheit. Verbrate ich meine finanziellen Puffer und stehe dann im Alter schlecht da? Und was passiert, wenn ich scheitere?

Helfen könnte mehr Mut – sowohl auf persönlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Dazu gehören für mich auch neue Modelle der finanziellen Förderung, beispielsweise durch die Unterstützung gesellschaftlichen Engagements. Wir könnten es uns als Gesellschaft leisten, Arbeit neu zu denken. Das ist zumindest das, was ich mit wünsche. Mut zahlt nämlich leider keine Miete.

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