New Work in der Krise

Alle zurück ins Büro!

Jetzt arbeiten viele von uns seit einiger Zeit zu Hause und es stellt sich so etwas wie Normalität ein. Statt morgens die Haustüre hinter mir zu zu machen, verschwinde in an meinen Arbeitsplatz im Kinderzimmer. Statt der gewohnten Kaffeepause, treffe ich mich mit Kollegen*innen zu digitalen Kaffee. An die Stelle von Networking-Events treten Online-Veranstaltungen.

Man hat sich in der neuen Normalität eingefunden und ich stelle für mich fest, dass mir einige Aspekte ganz gut gefallen. Der Freizeitstress ist weg, ich kann zu Hause fokussiert an meinen Themen arbeiten und gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass wir in der Arbeit noch ein Stück näher zusammenrücken – trotz der räumlichen Distanz.

Homeoffice als gefühlter Kontrollverlust

Auf der anderen Seite höre ich von Freunden und Bekannten, dass erste Unternehmen ihre Mitarbeiter freundlich dazu auffordern, mal wieder ins Büro zu kommen. Der angebliche Grund: Die Effektivität würde unter der Situation leiden. An dieser Stelle frage ich mich, werde hier eigentlich leidet. Die Effektivität oder die Führungskraft, die unter dem Gefühl des Kontrollverlusts leidet?

Ich denke, dass gerade in Unternehmen oder Teams, in denen bisher ‚traditionell‘ geführt wurde, die Umstellung besonders groß ist. Wenn das Unternehmen es dann nicht schafft, die Situation aufzufangen, ist der Frust vorprogrammiert. Mitarbeiter fühlen sich technisch abgehängt oder sind von fehlenden Strukturen und dem Verlust an Gemeinschaftsgefühl frustriert. Die Folge draus sind schlechtere Arbeitsergebnisse. Führungskräfte verlieren den Überblick und die gefühlte Kontrolle über das, was im Team läuft oder finden keinen Weg, ihr Team in dieser Situation gut zu unterstützen.

Ich finde es sehr schade, wenn so etwas passiert. Denn die Erfahrungen, die jetzt gemacht werden, werden auch in die Zeit danach ausstrahlen. Kommt jetzt ein Team mit der neuen Situation gut zurecht, wird es dort auch in Zukunft weniger Widerstand gegen flexibles, mobiles Arbeiten geben. Funktioniert die Zusammenarbeit hingegen jetzt nicht, werden Vorbehalte geschürt und Gegenargumente bestätigt.

Was können Führungskräfte tun, um Homeoffice zum Erfolgsmodell zu machen?

1) Mit dem Team offen über die Situation sprechen: Welche Probleme und Ängste gibt es im Team? Welche negativen Folgen befürchtet die Führungskraft? Mit welcher Haltung geht ein Team an die neue Situation heran?

2) Vereinbarungen und Strukturen schaffen: Welche Regeln brauchen wir jetzt im Team? Welche Vorgaben sind einzuhalten? Wer kann wen im Team beispielsweise bei technischen Fragen unterstützen?

3) In Verbindung bleiben: Über welche Plattformen und Kanäle findet ein regelmäßiger Austausch statt? Wo wird Transparenz über die aktuellen Aufgaben und deren Bearbeitungsstatus geschaffen? Wie werden An- und Abwesenheiten im Team signalisiert?

Mir ist klar, dass viele Führungskräfte gerade stark inhaltlich eingebunden sind. Entscheidungen müssen getroffen und Dinge organisiert werden. In manchen Bereichen fällt durch die Krisensituation zudem Mehrarbeit an. Der erste Reflex ist dann oft, sich auf die inhaltlichen Themen zu stürzen und die Teamorga erstmal hinten an zu stellen. Leider genau die falsche Entscheidung, Denn die oben genannten Vorschläge führen nach meiner Erfahrung dazu, dass ich mich als Führungskraft entlasten kann und mein Team arbeitsfähig erhalte. Und das muss eigentlich an erster Stelle stehen.

Warum es sich lohnt, jetzt dran zu bleiben

Wenn Unternehmen jetzt propagieren, dass die Effektivität unter Remote Work leidet, dann liegt das auch Fällen daran, dass die dafür erforderlichen Strukturen und Rahmenbedingungen nicht geschaffen wurden. Eine einfache Reaktion darauf ist es, Mitarbeiter*innen zurück ins Büro zu beordern. Zukunftsweisender und nachhaltiger wäre es, sich jetzt damit auseinanderzusetzten was es braucht, um effektive Arbeitsstrukturen in der Remote Work zu schaffen. Diese Fähigkeiten werden auch in Zukunft wichtig sein und können Unternehmen dabei helfen sich weiterzuentwickeln. Und Entwicklung ist einer der zentralen Werte im New Work Kontext. Nur wer in der Lage ist sich und sein Geschäftsmodell nachhaltig zu anzupassen, wird in der Welt langfristig einen Platz finden – davon bin ich überzeugt.

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